Wer hätte vor zwanzig Jahren gedacht, dass in Sitten einer der dynamischsten Campus der Schweiz entstehen würde, der die EPFL, die HES-SO Valais-Wallis, die Energypolis SA sowie zahlreiche öffentliche und private Akteure vereint? Die erste Vereinbarung, die 2012 zwischen dem Kanton Wallis und der EPFL unterzeichnet wurde, sah 11 Professuren, 150 Forschende und 100 Millionen Franken an Investitionen über zehn Jahre vor. Mit ihrer zweiten Ausbauphase im Wallis hat die EPFL die ursprünglich angekündigte Zahl an Forschenden nahezu verdoppelt und mehr als 280 Millionen Franken in die Walliser Forschung investiert. Diese Entwicklung wird mit der 2024 unterzeichneten dritten Phase fortgesetzt. Sie sieht bis 2032 sechs neue Professuren vor – jede bestehend aus einer Professorin oder einem Professor und dem zugehörigen Team – sowie den Bau eines neuen Gebäudes, um sie zu beherbergen. Die ersten Professuren werden bereits 2026 eintreffen.
2025 war ein dynamisches Jahr, das intern von einem Wechsel in der Direktion und von der Umsetzung wichtiger Projekte geprägt war, etwa des Demonstrators „P2G“ beziehungsweise „Power-to-Gas“. Diese gemeinsam mit der HES-SO Valais-Wallis betriebene und vom Kanton Wallis massgeblich unterstützte Anlage ermöglicht es, bestimmte Technologien zur Dekarbonisierung und zur Energieresilienz im vorindustriellen Massstab zu erproben. Die Grundidee: den im Sommer erzeugten Überschuss an Solarenergie nutzen, um Gas herzustellen, das für den Winter gespeichert werden kann – also dann, wenn der Bedarf am höchsten und die Energie am knappsten ist. Die ersten Tests liefern sehr positive Ergebnisse, und der laufende Austausch mit der Industrie wird diese Erfolge Schritt für Schritt bestätigen. 2025 war zugleich der Endspurt für die Bewerbung um einen Nationalen Forschungsschwerpunkt (NFS) im Bereich der chemischen Trennverfahren. Dieser NFS wurde Anfang 2026 bewilligt und bringt zwölf Jahre Förderung in Höhe von 38 Millionen Franken mit sich.
Im vergangenen Januar bestätigte die Weltorganisation für Meteorologie, dass 2025 eines der drei wärmsten je gemessenen Jahre war. Eine Trendwende ist nicht in Sicht. Unter diesen Bedingungen – die seit nahezu 40 Jahren modelliert werden – ist die Forschung zu alpinen und extremen Lebensräumen, die die Folgen des Klimawandels mit voller Wucht zu spüren bekommen und erhebliche Auswirkungen auf das Weltklima haben, von entscheidender Bedeutung. Sie erlaubt es, bestimmte künftige globale Entwicklungen vorwegzunehmen. Über die Untersuchung dieser Folgen hinaus erweist sich die wissenschaftliche Unterstützung der Dekarbonisierung der Gesellschaft – das Ziel „Netto-Null“ – als ebenso wesentlich. In dieser Hinsicht könnte die in Sitten betriebene Forschung zur Dekarbonisierung und zu nachhaltigen Energien einen massgeblichen Einfluss auf die kommenden industriellen und gesellschaftlichen Veränderungen haben. Sie wird im Übrigen in enger Zusammenarbeit mit den grossen Walliser Industrieunternehmen durchgeführt, um den Bedürfnissen der Praxis bestmöglich gerecht zu werden.
Ab 2026 werden die ersten Professuren der dritten Phase in ALPOLE einziehen; der Wettbewerb für das dritte EPFL-Gebäude in Sitten wird ausgeschrieben; das Pôle-Santé, das ebenfalls Forschungsgruppen der EPFL beherbergen wird, rückt seiner Einweihung näher; die Strategie „Horizon 2040“ wird erarbeitet; der NFS „Trennverfahren“ wird umgesetzt; die Bauarbeiten am Innovationspark (Energypolis SA) beginnen; und vieles mehr. Der Ausdruck „lebendiger, dynamischer Campus“ ist nicht bloss ein Bild: Er ist eine Realität, die sich in Sitten Tag für Tag konkretisiert – mit positiven Auswirkungen auf das gesamte Wallis. Wir freuen uns darauf, dieses schöne Abenteuer fortzusetzen und dieses Ökosystem noch weiter zu stärken.
Gute Lektüre!

Léonard Evéquoz
Operativer Direktor
